Ausstellung: 100 JAHRE DEUTSCHER WERKBUND 1907|2007

Ausstellung: 100 JAHRE DEUTSCHER WERKBUND 1907|2007

           

Im Oktober 1907 schlossen sich zwölf Künstler und Architekten, darunter Peter Behrens, Josef Hoffmann und Richard Riemerschmid sowie zwölf Firmen in München zum Deutschen Werkbund zusammen.

Als Zweck des Bundes formulierten die Gründungsmitglieder »die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk, durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu allen einschlägigen Fragen«. Die Zielsetzung, die gesamte industrialisierte Lebenswelt »Vom Sofakissen bis zum Städtebau« (Hermann Muthesius) nach künstlerischen Gesichtspunkten zu »veredeln« und mit »gut« geformten Objekten die Bevölkerung kulturell zu »erziehen«, bestimmte die Arbeit des Deutschen Werkbunds bis ins letzte Drittel des 20.Jahrhunderts.

Wenn sich heute Unternehmen um ein einheitliches Erscheinungsbild, eine Corporate Identity, bemühen, und wenn weltweit ein allgemeines Verständnis für die Gestalt von Industrieprodukten vorhanden ist und »Industrial Design« an Hochschulen unterrichtet, von Wirtschaftsunternehmen entwickelt und in Museen ausgestellt wird, dann ist dies in erster Linie ein Verdienst des Deutschen Werkbunds.

Dem Werkbund gehörten einige der berühmtesten deutschen ünstler und Architekten des 20. Jahrhunderts an, Werkbundausstellungen wie »Die Form« (1924), »Film und Foto« (1929) oder die Werkbundsiedlungen waren Meilensteine in der Entwicklung neuer Formen einer durch Industrie und Technik veränderten Welt. Die vom Werkbund organisierte Weißenhofsiedlung in Stuttgart 1927 mit Bauten vn Le Corbusier, Mies van der Rohe, J.J.P. Oud oder Hans Scharoun zählt bis heute zu den bedeutendsten und international berühmtesten Beispielen moderner Architektur des 20. Jahrhunderts.

In der Nachfolge des Stuttgarter Wohnexperiments entstanden mit den Werkbundsiedlungen in Brünn (1928), Breslau (1929), Prag (1932), Neubühl (1932) und Wien (1932) weitere Wohn und Städtebaumodelle für den modernen Menschen.

In den zwanziger Jahren war der Deutsche Werkbund an führender Stelle an den wichtigsten Experimenten zur Formfindung für die kommende von Technik, Internationalität und Mobilität gekennzeichnete Welt beteiligt.

Nach der »Gleichschaltung« während der Zeit des Nationalsozialismus konnte bereits 1949 eine große Werkbundausstellung in Köln organisiert werden, die Maßgaben und Maßstäbe für den Wiederaufbau liefern sollte. Hier wurde als Beitrag des Schweizerischen Werkbunds die richtungsweisend von Max Bill zusammengestellte Schau »Die gute Form« gezeigt, die einen Leitbegriff für die nächsten Jahrzehnte lieferte. Internationale Anerkennung fand das vom Werkbund entwickelte Konzept für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel.

Auf der Werkbundtagung über »Die große Landzerstörung« 1959 in Marl wandte sich der Deutsche Werkbund den Themen »Zersiedelung« und »Umweltzerstörung« zu und gab damit als erster – lange vor den Warnungen des Club of Rome, vor der Gründung »grüner Parteien« und der Ökologiebewegung – entscheidende Anstöße für die Entwicklung eines öffentlichen Bewusstseins für die Umwelt und die Folgen eines ungebremsten Wirtschaftswachstums. Zunehmend wandte sich nun das

Interesse des Werkbundes von den Fragen der Produktion zu den Problemen des Gebrauchs, nicht mehr die »gute Form«, sondern der richtige Umgang mit Produkten und die Folgen des Konsums standen im Vordergrund. Der Werkbund wandelte sich von einer »Gesinnungsgemeinschaft« zu einer »Aktionsgemeinschaft«, die bis heute mahnend und anregend wirkt.

Die Ausstellung »100 Jahre Deutscher Werkbund« präsentiert anhand von circa 500 Exponaten eines der bedeutendsten Kapitel der deutschen Kultur und Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Plakate, Modelle, Möbel,Design, Zeichnungen und Fotografien vermitteln ein anschauliches Bild der Leistungen des Deutschen Werkbundes.

Die Ausstellung des Architekturmuseums der TU München wird in verkleinerter Form vom 16.September bis 18. November 2007 in der Akademie der Künste, Berlin,Hanseatenweg gezeigt.

Anschließend werden vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) Auslandspräsentationen der Ausstellung organisiert. Zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein Katalog mit 380 Seiten und ca. 700 vorwiegend farbigen Abbildungen, der im Museumsshop zum Preis von 38 Euro erhältlich ist.

Führungen

DO 26.4. | 10.5. | 24.05. | 07.06. | 21.06. | 05.07. | 19.07. | 02.08. | 16.08.2007 |

jeweils 18.00 Uhr

Begleitprogramm

DO 12.07.2007 | 18.00 Uhr Podiumsdiskussion »Brauchen wir den Werkbund u.a. mit Bernd Sikora, 1. Vorsitzender des Deutschen Werkbunds e.V. und Michael Andritzky, ehem. Generalsekretär des Deutschen Werkbunds

Ausstellung und begleitende Publikation entstanden in Zusammenarbeit mit: Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur (GTA) der TU Darmstadt. Die Neue Sammlung - Staatliches Museum für angewandte Kunst I Design in der Pinakothek der Moderne, München Akademie der Künste, Berlin ifa - Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart

Gefördert durch: Förderverein des Architekturmuseums der TU München

 

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Peter Behrens | Elektrische Tee- und Wasserkessel, 1909
© DIE NEUE SAMMLUNG - STAATLICHES MUSEUM FüR ANGEWANDTE KUNST | DESIGN IN DER PINAKOTHEK DER MODERNE, MüNCHEN (FOTO: A. LAURENZO) | © VG BILD-KUNST, BONN 2006
Richard Riemerschmid | Teegeschirr, 1912
© DIE NEUE SAMMLUNG - STAATLICHES MUSEUM FüR ANGEWANDTE KUNST | DESIGN IN DER PINAKOTHEK DER MODERNE, MüNCHEN (FOTO: A. LAURENZO) | © VG BILD-KUNST, BONN 2006
Hermann Gretsch | Kaffee- und Teeservice »1382«, 1931
© DIE NEUE SAMMLUNG - STAATLICHES MUSEUM FüR ANGEWANDTE KUNST | DESIGN IN DER PINAKOTHEK DER MODERNE, MüNCHEN (FOTO: A. LAURENZO)
Wilhelm Wagenfeld | Tee-Service, 1932
© DIE NEUE SAMMLUNG - STAATLICHES MUSEUM FüR ANGEWANDTE KUNST | DESIGN IN DER PINAKOTHEK DER MODERNE, MüNCHEN (FOTO: A. LAURENZO) | © VG BILD-KUNST, BONN 2006

 



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