Schimmel – die unterschätzte Umweltgefahr

Die gesundheitlichen Gefahren durch den Befall mit Schimmelpilzen  werden häufig immer noch unterschätzt. Führt doch die verbesserte Wärmedämmung, durch dicht schließende Fenster etwa, zu einer Konzentration der Feuchtigkeit in Innenräumen und kann so das Wachstum der mikroskopisch kleinen Pilze begünstigen.


Schimmel in Wohnungen schadet der Gesundheit

Laut einer Studie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena haben  rund 22 Prozent des deutschen Wohnungsbestandes ein Schimmelproblem. Chemische Belastungen der Luft in Innenräumen stellen ein hohes gesundheitliches Risiko dar. Das ist nach den Umweltdiskussionen der letzten Jahrzehnte allgemeiner Konsens. Die gesundheitlichen Gefahren durch den Befall mit Schimmelpilzen dagegen werden häufig immer noch unterschätzt. Es war ausgerechnet das gestiegene Umweltbewusstsein, das die Schimmelproblematik in deutschen Haushalten verschärft hat, führt doch die verbesserte Wärmedämmung, durch dicht schließende Fenster etwa, zu einer Konzentration der Feuchtigkeit in Innenräumen und kann so das Wachstum der mikroskopisch kleinen Pilze begünstigen.

Schimmel lösen Allergien aus

Fast jeder Dritte in Deutschland leidet laut Statistik heute schon unter einer Allergie, 35 bis 40 Prozent der Betroffenen reagieren auf Schimmelsporen. Ausgelöst wird die allergische Reaktion durch die Verbreitung der Pilzsporen in der Atemluft. Schimmel gibt es überall, weltweit. Doch nur, wenn er verstärkt auftritt und sich die Sporenkonzentration weit über das normale Maß erhöht, droht Gefahr. Da es bis heute noch keine festgelegten Grenzwerte für die Sporenbelastung gibt, ist davon auszugehen, dass jede Belastung über den Werten der normalen Außenluft zumindest Allergierisiken birgt. Menschen mit schwachem Immunsystem sind besonders gefährdet, da bei ihnen noch die Gefahr einer Pilzinfektion droht. Wer häufig unter Symptomen wie trockener oder verstopfter Nase, Nasenlaufen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen oder Lethargie leidet, sollte überprüfen, ob ein Pilzbefall der Wohnräume vorliegen könnte. Übrigens gilt Schimmel als Mietmangel. In der Praxis entsteht aber leider oft Streit, wer Schuld daran trägt – der Mieter mit seinem Verhalten, oder der Vermieter wegen unterlassener Sanierungsarbeiten. Hilfe geben in Zweifelsfällen regionale Mietervereine (zu finden unter www.mieterbund.de) oder Haus- und Grundeigentümervereine.
 

Der Schimmel blüht im Verborgenen

Wo Schimmel mit schwarzen Verfärbungen sichtbar wird, ist die Diagnose relativ einfach. Häufig aber entwickelt sich das Wurzelgeflecht der Pilze – das so genannte Mycel – im Verborgenen oder versteckt sich in Hohlräumen, hinter Bildern oder Möbeln. Ein muffiger Geruch kann hier auf den Befall hinweisen. In jedem Fall sollten die Räume dann genauer unter die Lupe genommen werden. Besonders Ecken und Nischen, Flächen hinter großen Möbelstücken oder an kalten Stellen der Außenwand müssen untersucht werden. Um verdeckten Schimmelbefall aufzuspüren, werden heute immer häufiger speziell ausgebildete Schimmelspürhunde eingesetzt, die auch verborgene oder unzugängliche Kontaminationen auffinden. Im Zweifelsfall sollten Spezialfirmen hinzugezogen werden, die die Belastung der Raumluft messen. Bei der Beauftragung einer Schimmelpilzmessung sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das gewählte Laboratorium Qualitätssicherung betreibt und z.B. erfolgreich an Ringversuchen teilnimmt. Hilfe geben die Verbraucherschutzverbände oder die örtlichen Gesundheitsämter. Verbraucherverbände in Wohnortnähe findet man auf der Website des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

Hilfe: Schimmel!

Schimmel ist ziemlich anspruchslos: Er entsteht überall, wo er genügend Feuchtigkeit und geringe Mengen Nährstoffe findet. Er wächst in Gipskarton, im Holz, auf Leder, in Tapeten und Anstrichen, dem Hausschimmel genügt sogar der ganz normale Hausstaub. Es ist fast unmöglich, dem Schimmel die Nahrungsgrundlage zu entziehen, „das Wasser abgraben“ kann man ihm aber schon. Deshalb gilt es zunächst, die Ursachen für die Feuchtigkeit an betroffenen Stellen herauszufinden. Dies können bauliche Mängel sein, wie etwa Risse im Mauerwerk und Kamin, defekte Fallrohre für den Abfluss des Regenwassers oder Hohlräume, die Wasser von außen eindringen lassen. Diese Mängel müssen beseitigt werden, da eine langfristige Schimmelentfernung sonst nicht möglich ist. In vielen Fällen ist aber Tauwasser, also der Niederschlag der Luftfeuchtigkeit im Raum, für die Feuchtigkeit verantwortlich. Dazu muss man bedenken, dass in einem normalen Haushalt durch Schwitzen, Duschen und Kochen tagtäglich 14-18 Liter Wasser an die Luft abgegeben werden, und die müssen irgendwo bleiben. Bei sehr dicht schließenden Fenstern etwa findet kaum mehr Luftaustausch statt; die Feuchtigkeit kondensiert in der Wohnung. Besonders in älterem Baubestand, bei dem die Außenwände nur mangelhaft gedämmt sind, kondensiert das Wasser bevorzugt an kalten Außenwänden oder so genannten „Wärmebrücken“, an denen die Wärme besonders schnell nach außen abfließt, wie etwa an Fensterrahmen, Mauersohlen oder Balkonen 

Vorsicht bei Wasserschäden!

Ein Wasserschaden ist der ideale Nährboden für Schimmel. Das muss man zusätzlich bedenken, wenn beim Nachbarn von oben die Waschmaschine geleckt hat. Denn hat man den gröbsten Schaden erst einmal behoben, neigt man dazu, alles wieder an seinen Platz zu stellen und gut ist! Weit gefehlt – um alles wieder richtig trocken zu bekommen, muss man der entstandenen Nässe auf den Pelz rücken. Tut man das nicht, entsteht Schimmel. Die betroffenen Räume müssen also professionell entfeuchtet werden, um dem Schimmel keine Chance zu geben. Für die Entfeuchtung nach Wasserschäden setzt man setzt man am besten einen Luftentfeuchter ein. Mit dem Einsatz eines solchen Geräts stellt man sicher, dass die betroffenen Räume richtig austrocknen und man dem Schimmel keinen Nährboden gibt.

Frischer Wind gegen Schimmel

Schimmel mag keine frische Luft, denn die enthält wenig Feuchtigkeit und macht ihm daher zu schaffen. Die heute üblichen, energiesparenden und sehr dicht schließenden Fenster halten Wärme, aber auch die feuchte und verbrauchte Luft drinnen. Circa zweimal täglich stoßlüften lautet die Empfehlung, denn das ist für die Heizrechnung deutlich günstiger als permanentes Lüften durch ein gekipptes Fenster. Noch günstiger in der Energiebilanz sind Lüftungssysteme, die für einen permanenten Luftaustausch sorgen und die Wärme der Abluft mittels Wärmetauscher zum großen Teil wieder an die Zuluft zurückgeben, die Frischluft muss also nicht erst wieder erwärmt werden.

Dem Schimmel zu Leibe rücken

Wenn mit Sanierungsmaßnahmen nicht sofort begonnen werden kann, sollten befallene Stellen zumindest sofort gereinigt und mit entsprechenden Mitteln desinfiziert werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass möglichst wenig Staub aufgewirbelt wird, der sonst die Sporenbelastung der Luft kurzzeitig stark ansteigen lässt. Gummihandschuhe und Mundschutz sollten auf jeden Fall getragen werden, Personen mit Allergien oder schwachem Immunsystem dürfen die Arbeiten auf keinen Fall selbst ausführen. Eine Essiglösung zur Desinfektion ist nur bedingt empfehlenswert. Zum einen neutralisieren viele Baustoffe den Essig, zum anderen können mit dem „Hausmittel“ auch organische Nährstoffe aufs Material gelangen, die das Pilzwachstum noch befördern. „Chemische Keulen“, etwa mit hohen Chlorkonzentrationen, können mehr Schaden als Nutzen anrichten, da sie ihrerseits die Raumluft mit toxischen oder allergenen Stoffen belasten. Wirkungsvoll ist 70- oder 80-prozentiger Alkohol, der aber wegen seiner hohen Flüchtigkeit und hoher Brand- und Explosionsgefahr nur mit großer Vorsicht angewendet werden darf. Bei größeren Flächen, wenn nicht festzustellen ist, wie tief der Befall ist oder ob unzugängliche Stellen vorliegen, sollten Sanierungsprofis hinzugezogen werden. Ausführliche Informationen zum Thema Schimmel liefert die Broschüre „Hilfe! Schimmel im Haus“, die auf der Website des Umweltbundesamtes heruntergeladen oder kostenlos angefordert werden kann.


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